Geschichte & Herkunft

Frettchen (lat. Mustela putorius furo) sind Raubtiere und gehören zur Gattung der
Marderartigen. Frettchen sind die domestizierte Haustierform des Iltises und stammen
mit hoher Warscheinlichkeit, vom europäischen Waldiltis (Mustela putorius) ab.

Schon die Griechen erwähnten das Frettchen, ohne dass sie selbst diese Tiere hielten. Aristophanes erwähnt ca. 410 v. Chr. eher beiläufig das Frettchen in einer seiner
Komödien. 347–335 v. Chr. findet der Ictis auch bei Aristoteles als Jagdhelfer Erwähnung.
Er beschrieb die Vorliebe dieser Tiere für Honig und Vögel. Überliefert ist die Bekämpfung
einer Kaninchenplage durch die Römer mit Hilfe der Frettchen. Durch diese geschichtlichen Anhaltspunkte können die Anfänge der Domestikation des Iltises im Mittelmeerraum in der
Zeit des 1. vorchristlichen Jahrtausend festgelegt werden und gründen auf spanischen
oder nordafrikanischen Iltis-Populationen. Frettchen wurden lange vor Hund und Katze als domestiziertes Haustier geschichtlich erwähnt.

In Deutschland wird das Frettchen erstmals im Zusammenhang mit der Kaninchenjagd (Frettieren) im 16. Jahrhundert schriftlich erwähnt.


"Mustela poturius furo" heißt übrigens übersetzt "stinkender Mäusedieb".







 

Verhalten

Frettchen sind von Natur aus Langschläfer und schlafen ca. 16-20 Stunden am Tag.
Nach dem Aufwachen brauchen sie einige Minuten bis sie wieder richtig wach sind.
Durch Muskelzittern stellen Frettchen die Muskelspannung wieder her und aktivieren
so wieder ihren Kreislauf. Frettchen schlafen sehr viel und lange, aber wenn sie mal
wach sind, dann sind die kleinen Racker nicht mehr zu bremsen. Auslauf ist sehr wichtig,
da die Stinker auch ihren Spiel- und Entdeckungsdrang nachgehen wollen/müssen.

Frettchen sind sehr gesellige Tiere die schnell zu ihrem Halter vertrauen fassen. Sie
sind auch saubere Tiere, die ihr Geschäft zu 90% auch in der Katzentoilette verrichten.
Ab und an kann dieser Weg auch schon mal zu lang sein, vorallem nach einer langen
Schlafphase, dann wird halt die nächste nahliegende Ecke in der Nähe genutzt. Man
sollte sich bewusst sein, das Frettchen nie zu 100% Stubenrein werden, und auch mal
des Öfteren was danaben gehen kann. Deswegen haben wir immer einen großen
Vorrat an Küchentüchern.

Jedes Frettchen besitzt zwei Analdrüßen (unterhalb des Afters). Diese Drüßen sind für
die Kommunikation untereinander sehr wichtig. Bei jedem Koten sondert das Frettchen
etwas Sekret mit ab. Diese Geheimwaffe der Frettchen wird in Verteidigungs- und
Angstsituationen eingesetzt. Sie entleeren dann das ganze Sekret der Analdrüße auf
einen Schlag, was einen Angreifer meißt abschreckt. Der übelriechende Duft verzieht
aber auch relativ schnell wieder. Bei verstopften oder entzündeten Analdrüßen sollte
ein Tierarzt aufgesucht werden!











Erziehung

Als erstes sollte man dazu sagen, dass Frettchen sehr lernbereit sind, jedoch nie
so gehorsam werden wie ein Hund, denn sie haben ihren eigenen Kopf. Wenn man
den Frettchen etwas beibringen möchte, sollte man das "Lernen" mit positiven Reizen
(z.B. Leckerlies) belohnen. So merkt das Frettchen mit der Zeit, dass wenn es etwas
bestimmtes ausübt, dafür belohnt wird (Schlüsselreiz). Körperliche Bestrafungen
sind dabei absolut Tabu! Dies würde das Vertrauen zum Menschen beeinträchtigen.

Frettchen in den ersten Lebensmonaten testen gerne ihre Grenzen aus. Man nennt
diese Zeit auch "Rüpelzeit". Dazu gehört auch das Beissen in bestimmte Regionen.
Bevorzugterweiße werden meißtens Hände oder Füße gewählt. Wenn ein Frettchen
in die Hand beißt ohne jede Vorwarnung, sollte man ein lautes "Nein!" oder "Aus!"
mit tiefer Stimme verkünden. Lässt das Frettchen trotzdem nicht los, kann man den
Frechdachs am Nacken packen und nochmals mit Nachton "Nein!" oder "Aus!" sagen.
Nach dem Absetzen sollte man das Frettchen eine Zeitlang ignorieren, so lernt es
dass Beissen keine gute Tat ist. Nach einigen Minuten kann man mittels Vitaminpaste
auf dem Handrücken oder auf einem Finger das Frettchen erneut auffordern in Kontakt
zu treten, diesesmal mit einem positiven Reiz. So gewöhnt sich das Tier an den eigenen
Geruch und fasst Vertrauen.

Zum Thema Stubenreinheit und Toilettengang kann man sagen, dass Frettchen gerne
mal ihr Geschäft an Stellen verüben, wo sie es eigentlich nicht sollten. Frettchen kriegt
man nie zu 100% Stubenrein. Deshalb ist es wichtig, dass man mehrere Katzentoiletten
aufstellt. Man kann es leicht erkennen, wenn ein Frettchen versucht sein Geschäft zu
machen. Es krümt seine Rute nach oben und läuft dabei ein paar schritte rückwärts,
diesen Vorgang nennt man auch "Einparken". Sollte dies einmal der Fall sein an einem
ungewünschten Platz, so packt man das Frettchen während dem Einparken und setzt
es sofort in die Toilette. Auch ein klares und deutliches "Nein!" gehört dazu. Nachdem
es dann sein Geschäft in der Katzentoilette verichtet hat, kann man etwas Vitaminpaste
nehmen und mit einem sanftem "Fein!" dem Frettchen anbieten und somit belohnen.

 




 

Rüde / Fähe

Als Rüde bezeichnet man das männliche Tier, und als Fähe das weibliche.
Ausgewachsene Rüden können ein Gewicht von 1000-2500 Gramm erreichen,
wobei ausgewachsene Fähen nur ein Gewicht von 600-1200 Gramm erlangen
können. Die Körperlänge bei Rüden liegt bei ca. 35-60 cm, bei Fähen nur
25-40 cm (Ohne Rute gemessen).

In der Winterzeit essen Frettchen mehr um sich so auf den langen Winter
vorzubereiten. Auch der Bewegungsdrang wird weniger und die Schlafphasen
nehmen zu. Im Frühling, wenn der Tag wieder länger wird, schlägt dieses
Verhalten ins Gegenteil um. Die Frettchen essen wieder weniger und verlieren
etwas an Gewicht und werden gleichzeitig wieder aktiver und agiler. Auch das
Winterfell bildet sich zurück.

Man sagt das Rüden im Gegensatz zu Fähen ruhiger und verschmuster sind.
Fähen sind aktiver und zickiger. Jedoch kann man dieses Muster nicht auf
alle Tiere übertragen. Nicht jedes Tier ist gleich, und Ausnahmen bestätigen
ja bekanntlich die Regel.

Die durchschnittliche Lebenserwartung eines gut versorgten Frettchens liegt
bei ca. 6-10 Jahren. Es gibt natürlich auf Fälle wo Frettchen weit über 10 Jahre
alt wurden.











Ranz & Kastration

Wenn man nicht Züchten will, sollte man alle seine Frettchen Kastrieren lassen.
Ich rate hier auch jedem zur Zucht ab, wenn man bedenkt wie viele heimatlose
Frettchen in Tierheimen und Frettchenhilfen nach einem neuen Zuhause suchen.
Daher sollte man nicht noch mehr dieser kleinen Fellnasen auf die Welt setzen.

Ich möchte hier mal kurz über die Risiken der Injektionsnarkose hinweisen.
Da unser erstes Frettchen Freddy nach seiner Kastration noch in der TA Praxis
an einer Unverträglickeit des Narkosemittels an hohem Fieber verstarb, möchten
wir das jeder weiß dass immer ein Restrisiko bei Injektionsnarkosen besteht.
Seit diesem Vorfall haben wir für uns entschieden, dass wir ab sofort keine
Injektionsnarkosen mehr möchten und sind auf die Inhalationsnarkose (Gas
Narkose) umgestiegen. Erstens kann man das Frettchen jederzeit wieder
aus der Narkose holen, und zweitens ist diese Art der Narkose für den Körper
des Frettchens sehr schonend.

Die Fähe kommt meistens mit 8-10 Monaten in die Ranz, jedoch kann es bei einer
Wohnungshaltung (Innenhaltung) auch schon früher sein. Anzeichen dafür sind,
eine geschwollene Vulva (Haselnussgröße) die auch ein flüssiges, leicht klebriges,
schleimiges Sekret absondert. Wenn diese Anzeichen bereits vorhanden sind,
wird es höchste Zeit das Tier kastrieren zu lassen. Wird die Fähe nicht gedeckt oder
kastriert, verfällt sie in die Dauerranz. Dauerranz ist eine Östrogenvergiftung, bei
der das Knochenmark zerstört wird. Die Tiere weden blass, es kommt zu Sicker-
blutungen in den Schleimhäuten und inneren Organen sowie Blutgerinnungsstörungen.
Die Dauerranz endet meißtens tödlich wenn nicht rechtzeitig eingegriffen wird.




 


Der Rüde kommt wie die Fähe mit ca. 8-10 Monaten in die Ranz, jedoch kann es bei
einer Wohnungshaltung (Innenhaltung) auch schon früher sein. Dies bemerkt man,
durch seine herausstehenden geschwollenen Hoden und durch seinen markanten
Geruch. Auch sein Fell wirkt in dieser Zeit etwas stumpf und fettig. Er wird versuchen
in dieser Zeit eine Fähe zu finden und diese zu decken, auch Ausbruchsversuche
werden in dieser Phase häufiger auftreten. Auch das markieren von Gegenständen
mit etwas Urin, um sein Revier zu markieren wird öfters unternommen. Ebenfalls das
Verhalten ändert sich, der Rüde wirkt unruhig, evtl. agressiver und kann auch andere
Rüden und Fähen agressiv gegenüber treten. An diesem Punkt sollte das Tier
unbedingt kastriert werden, da es für den Rüden sowie die anderen Frettchen ein dauerhafter Stresszustand bedeutet.

Und hier rechts nochmal ein Bild direkt nach der Kastration von unserem Rüden
Bacoti. Im Gegensatz zu der Kastration bei einer Fähe, bei der die Eierstöcke und
Gebärmutter entfernt werden, ist die Kastration beim Rüden um einiges einfacher
und risikofreier. Beim Rüden werden durch kleine Schnitte in den Hodensack die
Hoden entfernt und anschließend wieder vernäht. Die Fäden kann man nach ca.
10 Tagen beim TA ziehen lassen.